Im 18. Jahrhundert

„Embryo Status Animarum“ und Theresianisches Steuerkataster
Oberbillig wird in diesen frühen Quellen nur beiläufig erwähnt, weil es ein Ortsteil von Wasserbillig war. Genaue Angaben, wer die alten Oberbilliger -wie auch die Wasserbilliger und die Merterter- waren, macht 1735 erstmalig der Wasserbilliger Pfarrer Johann Wilhelm Linckels (1721-1764) in seiner Erfassung seiner Pfarrkinder, die er „Embryo Status Animarum“ (Grundstock des Bestandes an Seelen) nennt. Die ist jeweils nach den Häusern in den drei Dörfern: Mertert, Wasserbillig und Oberbillig geordnet. Damals wohnten in Mertert in 35 Häusern 58 Familien mit 259 Personen, in Wasserbillig in 25 Häusern 42 Familien mit 196 Personen. Oberbillig bestand  aus immerhin aus diesen 19 Häusern, in denen in 30 Familien 150 Personen (Erwachsene, Kinder und Knechte und Mägde) lebten.

 

Hausname Haushaltsvorstand/ -vorstände

ANDRES

Mathias Andres, Paul Beck

THREINS

Peter Metzdorf, Johann Baas (Witwer)

COLWEN

Johann Faas (Witwer)

MÄNTZ

Nikolaus Weltz (Welsch?)

DRAUDEN

Hubert Mannes

STEINMETZ

Peter Beck

SCHMITZ

Johann Scheitgen

NICKELS

Nikolaus Becker, Anton Becker,  Bernhard Metzdorf, Eva Metzel

REPPEN

Wilhem Lehnen

REPPEN

Johann Weltz (Welsch?)

SPATZ

Katharina ? (Witwe), Susanna Rieder (Witwe), Dominik Rieder

MELCHERS

Philipp Weber

STOFFELS

Christoph Rewenig, Peter Revenig

STOFFEL Theis

Mathias Rewenig

JUNGERS

Johann Georg Konsbrück, Mathias Konsbrück

GILLEN

Wilhelm Zewen, Johann Georg Zewen

BECKERS

Mathias Becker

SCHUSTERS

Mathias Peters

 

Diese meisten dieser Oberbilliger waren Bauern, die auch Weinbau betrieben. Einige haben  auch Steine gebrochen und diese mit ihren kleinen Holzschiffen verfahren. Das Herzogtum Luxemburg gehörte seit dem frühen 18. Jahrhundert staatlich zu den Österreichischen Niederlanden, die im Auftrag der habsburgischen Kaiser von Brüssel aus wie ein Zentralstaat regiert wurden. Hier an der Sauermündung waren die Herrn von Berburg nach wie vor die Repräsentanten des Staates. Die Brüsseler Regierung erfasste das Land und seine Bewohner  mit modernen Mitteln. 1766 wurde auf Anordnung der Kaiserin Maria-Theresia das überkommene Abgaben- und Zehntensystem abgeschafft und ein Steuerkataster zur einheitliche Erhebung von Steuern auf Grundbesitz und Einkünfte eingeführt. Jeder Untertan musste eine Steuerklärung mit genauer Darlegung seines Besitzes und seiner Einkünfte abgeben, die amtlich anerkannt wurde. Von Wasserbillig-Oberbillig ist das „Schatzungsregister“ noch erhalten. Insgesamt waren dort 1381 Fl(orin) = (Gulden) und 6 St(über) zu entrichten. Davon entfielen auf die Gemeinde selbst 541 Fl. und 17 St. Von den Bürgern führte Pastor Lessel mit 117 Fl. 1 St. die Liste an gefolgt von Herrn von Seyl mit 86 Fl. 14 St. und Peter Carel mit 75 Fl. 11 St.. Die höchsten Steuerzahler in Oberbillig lagen weit dahinter. Es waren: Berend (Bernard) Schmit mit 41 Fl. 10 St., Witwe Margarethe Scholtes mit 36 Fl. und 6 St., Nicolaus Fettes mit 32 Fl. 6 St. und Wilhem Keyser mit 21 Fl. 19. St.


Zur besseren Übersicht musste das Land von der Nordsee bis hier an die Mosel und die Saar kartenmäßig erfasst werden. Eine Mammutaufgabe, mit der auf kaiserliche Weisung der Generalleutnant Joseph Johann von Ferraris beauftragt wurde und die er mit einem großen Stab von Landmessern von  1771 bis 1777  erledigte.  Das Ergebnis ist die „Cartes de Ferraris“ mit 275 handkolorierten Blättern im Maßstab 1 : 11.520. Erstmalig ist ist das Land topografisch zutreffend abgebildet.  Auf Blatt „270 Wasserbillig“  ist unser Dorf als „Oberbillig“ -also in der heutigen Schreibweise bezeichnet- mit drei bebauten Straßenzügen dargestellt, dabei ist die Kapelle besonders markiert.